Vom nördlichen Ötztal nach Meran
4.-14. Juli 2025
Am 4. Juli 2025 trafen sich Gerhard, Markus und ich am Bahnhof Ötztal. Unser Ziel war Meran. Schon in den Monaten zuvor hatten wir über Routen und Stationen nachgedacht und uns schließlich für eine gemischte Route entschieden.
Die ersten Tage dienten dem „Einlaufen” und der Akklimatisierung. Bereits am ersten Tag stießen wir beim Übergang von der Bielefelder Hütte zur Dortmunder Hütte an der Mittertaler Scharte (2.631 m) auf rote und schwarze Routen, unsere erste Berührung mit einer T4-Stelle. Die Finstertaler Scharte (2 777 m) zur Schweinfurter Hütte war unspektakulär, dafür war das Essen auf der Schweinfurter Hütte ausgezeichnet. Weiter ging es zum Zwieselbachjoch (2 868 m), wo wir die ersten Vorboten eines Wintereinbruchs für die kommenden Tage sahen. Auf der Winnebachseehütte (2 372 m) hatten wir keinen Datenempfang und konnten daher keine Wetterdaten abfragen. Ein Blick aus dem Fenster genügte jedoch, um zu erkennen, dass die Schneefallgrenze bei 2 200 m lag.
Der ohnehin geplante Abstieg nach Längenfeld im Schneeregen und eine erforderliche Besprechung in einem Café in Längenfeld waren hilfreich. Wir einigten uns darauf, die Gruppe zu teilen: Wir drei fahren nach Obergurgl, Markus fährt ab hier über das Timmelsjoch weiter nach Bozen und stößt vier Tage später an der Lodnerhütte wieder zu uns. Gerhard und ich stiegen im Schnee zum Ramolhaus (3.006 m) auf. Die ursprüngliche Route über Vent – Ramoljoch (3 189 m) wurde wegen der Witterung gestrichen; unsere neue Route führte uns zum Ramolhaus.
Wir arbeiteten uns die 1.100 Höhenmeter zum Ramolhaus hinauf und wurden von den Hüttenleuten euphorisch empfangen. Bei dem Wetter hatten sie nicht mehr mit uns gerechnet. Die Temperatur war knapp unter null Grad gefallen und am nächsten Morgen gab es überall Eiszapfen und jede Menge Schnee. Die nächste Herausforderung bestand darin, den Abzweig zu finden, an dem wir am Vortag vorbeigekommen waren, um zur Picardbrücke abzusteigen. Das hat ziemlich reibungslos funktioniert. Die Aussicht war gleich null und die Sicht war schon nach wenigen Metern unmöglich, sodass wir uns auf die Pfadspur konzentrieren konnten. Wir überquerten die ziemlich vereiste Picardbrücke (eine 140 Meter lange Hängebrücke über die Ötztaler Ache) und stiegen zur Langtalereckhütte ab. Gerhard unternahm noch einen Solo-Ausflug zum Hochwildehaus, das seit 2020 geschlossen ist. Schon am Nachmittag klarte das Wetter auf und am nächsten Morgen hatten wir bestes Bergwetter für unseren Weg zum Langtalerjoch (3.031 m). Irgendwo hatte ich gelesen, dass das Joch seit zwei Jahren eisfrei war. Tatsächlich erreichten wir nach X Geröllhalden und Schneefeldern eine schwarze Felswand, auf der ein Fallreep montiert war. Kurz darauf standen wir bei sonnigstem Wetter auf dem Grat, der die Grenze zwischen Österreich und Italien markiert.
Der Abstieg vom Langtalerjoch war kaum zu erkennen: Es gab keine Pfadspuren und keine Markierungen. Hin und wieder entdeckten wir Farbreste alter Markierungen. Per GPS versicherten wir uns immer wieder, auf der richtigen Route zu sein. Nach einem mühsamen Abstieg über viele T5-Stellen erreichten wir schließlich einen markierten Pfad mit Hinweisen zur Stettiner Hütte/Rifugio Petrarca.
Am nächsten Morgen startete Gerhard zu einem kurzen Ausflug zu einem Schmelzwassersee am Südhang der Hochwilde. Zwei Stunden später erreichten wir die Überreste des Grubenferners und stiegen über eine T4-Strecke zur Johannesscharte auf. Bröckliger Fels in alle Richtungen und Kettensicherungen mit Tritten führten uns nach oben. Beim Abstieg gab es noch ein paar knifflige Stellen, aber dann ging es zügig über Grasland in Richtung Lodnerhütte. Keine fünf Minuten später kam Markus, und die Gruppe war wieder vollständig. Die nächsten Tage waren geprägt von entspanntem Wandern auf dem Meraner Höhenweg in Richtung Meran.