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Die Alpen

Bei bestimmten Wetterlagen im Frühjahr oder Herbst ist der Blick vom Belchen, Feldberg, Herzogenhorn oder Blauen Richtung Jura und dahinter das Berner Oberland über 200 km Luftlinie recht klar. An manchen Tagen lassen sich Eiger, Mönch und Jungfrau gut erkennen.

Seit Anfang der 80er Jahre sind mir die Stubaier Alpen südwestlich von Innsbruck vertraut und noch heute gelegentlicher Ausgangspunkt von 14-tägigen Strecken- oder Hüttenwanderungen in die benachbarten Täler und Gebirgszüge. Entlang der Bahnlinie Zürich - Wien bieten sich eine Reihe verkehrsgünstig gelegener Einstiegspunkte, um mit erforderlicher körperlicher Anpassung an Höhe und Gegebenheiten, schöne abwechslungsreiche Strecken zu gehen. Nicht immer sind es die direkten Hüttenverbindungswege, gelegentlich sind es die weniger häufig genutzten Wege, Jochübergänge oder ganz individuelle Routenführungen.

orange Fulpmes, Imst, Nordalpenweg, E42015209,1 km+ 17.122 hm- 16.694 hm
violett Verwallgruppe, Silvretta, Montafon2016123,1 km+   9.483 hm-  9.721 hm
blau Axams - Samnaun - Galtür2017173,5 km+ 11.565 hm- 12.324 hm
dunkelrot Tuxer Seven Summits, Berliner Höhenweg2018156,4 km+ 13.702 hm- 13.652 hm
gelb Quer durch Ötztaler, Stubaier und Zillertaler Alpen2019190,1 km+ 13.637 hm- 14.798 hm

rotbraun

Bludenz - Ansbacher - Verwallgruppe

2020161,8 km+ 12.682 hm-12.551 hm

Von Bludenz zur Ansbacher Hütte und durch das Verwall zurück (Sommer 2020)

Die Planung steht, die Reservierungen sind getätigt und nun bleibt es offen, inwieweit die Beschränkungen durch die Grippeviren im Juli noch bestehen.

Quer durch Ötztaler, Stubaier und Zillertaler Alpen - 2019

Mögen die Hütten bekannt gewesen sein, einige Wege dazwischen hatte ich bis dato noch nicht beschritten. Sowohl die Mittertaler- wie die Niederreichscharte (2729 m), die Hochreichscharte (2917 m) waren Neuland, die Überquerung des Zwieselbachjochs (2865 m) zur Winnebachseehütte, ebenfalls der Aufsteig von Vals über einen schönen Steig zur Geraer Hütte (2324 m), das Tuxer Joch (2360 m) und ab Junsee weiter auf einer Variante des Zentralpenweges Richtung Lizumer Hütte, von dort über Torjoch, Nederjoch und Geiseljoch als abwechslungsreicherer Weg statt des üblichen Hüttenverbindungsweges zur Weidener Hütte. Der Aufstieg zum Rastkogel (2762 m) in Wolken und ein langer Abgang über Schneefelder Richtung Rastkogelhütte (2124 m), die im Nebel verschwunden war. Die letzte Etappe zur Kellerjochhütte (2237 m) war feucht und bis in die späten Nachmittagsstunden ein spannendes Warten, ob sich die Wolken heben würden und dann in den letzten beiden Stunden vor Sonnenuntergang erlebten wir den atemberaubenden 360°-Blick mit wolkenreichen, lichtdurchflutenden Bildern. Dies war der spektaluläre Höhepunkt einer begegnungsreichen und eindrücklichen 15-tägigen Hüttenwanderung.

Tuxer Seven Summits - 2018

Die "Tuxer 7 Summits" sind sieben Gipfel hintereinander und eine nette Erfindung einfallsreichen Tourismusmarketings. Bei der Routenplanung entdeckte ich erst nach meiner Routenfestlegung, dass ich mich wohl durch touristische Highlights bewege. Ja, die Glungezerhütte war voll mit Leuten, die bei herannahender Gewitterfront über die sieben Gipfel gehen wollten. Nicht alle waren am Abend auf der Lizumer Hütte, mussten also wohl umgekehrt und zur Glungezerhütte zurückgegangen sein. Auf dieser Hütte lernte ich eine Gruppe Venedig-Wanderer kennen und wir hatten einen schönen Tag, ein kleines Bad in einem eiskalten Bergsee und kamen mit dem einsetzenden Regen in der Lizumer Hütte an. Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege, denn ich wollte Richtung Mayrhofen und von dort auf den Berliner Höhenweg.

Der Berliner Höhenweg - 2018

Der "Berliner Höhenweg" ist einer jener Erschließungswege in den entlegenen Alpenregionen, mit denen gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Täler, Übergänge und Gipfel erschlossen wurden. Architektonischer Höhepunkt ist sicherlich die Berliner Hütte und ihre prachtvolle Inneneinrichtung. Auffällig sind die teilweise mit großen Steinplatten vorbereiteten Wege vor allem zwischen Berliner Hütte und im Bereich der neu gebauten Olperer Hütte. Die Überquerung der Mörchnerscharte war unspektakular, dafür war ein kurzes Bad im Schwarzsee (2472 m) oberhalb der Berliner bei 5°-6° Wassertemperatur sehr anregend. Der folgende Aufstieg zum Schönbichler Horn (3133 m) war matschig, nass, windiges Schneegestöber und ziemlich ungemütlich. Im Windschatten Abstieg zum Furtschaglhaus und am anderen Tag entlang des Schlegeisspeichers zur Olperer Hütte. Anne und Andrew aus Südengland, Stefan und Fabian und ich sind nun "im Takt" und treffen uns abends auf der Hütte, gehen jeder in seinem Tempo und gelegentlich sehen wir uns in der Ferne.

Winter in der 2. Julihälfte - 2017

Start an der Olympia-Standbahn in der Axamer Lizum und die wohlbekannte Strecke durch die Stubaier Alpen, Abstieg von der Winnebachseehütte ins Tal, Wechsel vom Ötztal ins Pitztal. Auf der Riffelseehütte Jaap, Maraike u. Hendrik sowie Remko aus Den Haag kennengelernt und gemeinsam den Offenbacher Höhenweg über den Wurmtaler Kopf (3228 m) bei instabiler Wetterlage Richtung Taschachhaus gegangen. Die Überquerung des Eisbettes unterhalb des Wurmtaler Kopfes mit Grödeln war deren erster Eiskontakt in den Alpen. Alles gut gemacht! Am Taschachhaus war Hochbetrieb und am nächsten Morgen gemeinsamer Aufbruch zum Ölgrubenjoch (3044 m) und Abstieg zum Gepatschhaus. Verbrachten einen sonnigen Nachmittag und einen interessanten Abend mit einem australischen Wanderer, der zum Taschachhaus zog.

Am Gepatschhaus trennten sich unsere Wege und ich bin alleine über das Riffljoch (3149 m) und über den großen Gletscherrest des Hüttekarferners zum Hohenzollernhaus abgestiegen. Von dort nach Pfunds und mit dem Bus nach Samnaun.

Von Ravaisch (Italien) aus durch die Mondlandschaften des Skigebiets Samnaun/Ischgl bei zunehmend sinkender Temperatur und starkem Regen, der in der Nacht in Schnee überging, zur Heidelberer Hütte. Dort am nächsten Tag in eine Winterlandschaft ohne Wege und Markierungen, zum Kronenjoch per GPS durchgetastet und zur Jamtalhütte abgestiegen. Nette Abendunterhaltung mit einem ehemaligen französischen Balletttänzer und seiner Tochter (schwedisches Außenministerium) über Michel Foucault usw.

Abstieg nach Galtür, super Café im Zentrum, Bus nach Landeck und ab nach Hause.

Verwallgruppe, Silvretta, Montafon - 2016

Bei sonnigem Wetter in St. Anton am Arlberg Richtung Darmstädter Hütte gestartet und am nächsten Morgen über den Rest des Küchlferners Richtung Friedrichshafener Hütte den Ludgwig-Dürr-Weg gegangen. Am Morgen war das steiler werdene Schneefeld in den oberen Lagen vereist und Steigeisen wurden erforderlich. Der Rest des Weges verlief über weite Schneefelder und war ziemlich anstrengend. Am nächsten Morgen Abstieg nach Galtür (neue Regenjacke kaufen, da ich bei den Ausrutschern und Stürzen auf den Schneefeldern wohl meine am Rucksack schlechtbefestigte, heiß geliebte, Haglöfs-Regenjacke samt Strickmütze verloren hatte).

Von der Jamtalhütte über die Getschnerscharte (2839 m) Richtung Wiesbadener Hütte, entlang des Silvrettasees durch das Klostertal zur Saarbrückener Hütte und später zur Tübinger Hütte über des Plattenjoch (2728 m) und den verschneiten Plattengletscher. Abstieg nach Gargellen und über mehrere Pässe zur Tilisunahütte. Steinbockfamilie beobachtet. Die Lindauer Hütte als Übernachtungsquartier übersprungen und am Schweizer Tor vorbei zur Douglasshütte. Frühmorgens Richtung Schesaplana (2965 m), wegen Nebel auf den Gipfel verzichtet und  einen Weg über den aperen Brandnergletscher zur gegenüberliegenden Mannheimer Hütte (2679 m) gesucht. Kaum dort angekommen, bricht ein schweres Gewitter aus, Stromausfall und am anderen Morgen Bilderbuchwetter; Abstieg über einen steilen Steig nach Brand, Bus nach Bludenz und Heimfahrt.

E4 - 2015

2015 startete ich in Fulpmes, durchquerte die Stubaier Alpen, wechselte im Ötztal nach Imst und schloss zum E4 ab Steinseehütte auf. Diesem Pfad folgte ich bis zur Freiburger Hütte und ab hier 01/VIA bis Damüls. Der E4 ist der längste europäische Fernwanderweg und eine alte Wegverbindung von der südwestlichesten Spitze Portugals durch die Nordalpen nach Zypern.

In Damüls beschloss ich aufzuhören und nach Hause zu fahren. Die zurückgelegten 16.000 Höhenmeter der vergangenen 14 Tage, die letzten unruhigen Hüttennächte und der Verlust meiner wertvollen Hardshell-Regenjacke haben mich überfordert. Den restlichen Weg nach Bregenz im Bus zurückzulegen, war am Ende die beste Entscheidung. Für die Folgejahre hatte ich eine wertvolle Erfahrung gemacht und konnte seither alle Touren bis zum geplanten Endpunkt gehen.

Oft werde ich gefragt, wieso ich alleine gehe? "Alleine" ist relativ; tagsüber ist alleine gehen ein ungestörtes Erlebnis, Konzentration auf den Weg, auf die Schritte, Gelände, Wegbeschaffenheit, Stille. Alleine unterwegs zu sein hat viele Facetten. Außerdem bin ich gar nicht "so alleine", denn auf fast jeder Hütte treffe ich andere Alleingeher, Männer wie Frauen jeden Alters, die den Wert des Alleingehens aus unterschiedlichen Gründen zu schätzen wissen. Und möchte ich abends mal nicht alleine sein, suche ich Kontakt zu anderen. Das "Alleine-gehen" bringt einen mit sich selbst in einen tiefen Kontakt, was ich mittlerweile als ein hohes Gut betrachte.